Die andere Art des Konsums

Manchmal fängt es beim Brot an, weil die Einheitsindustriebrötchen vom Bäcker nebenan nicht mehr schmecken. Manchmal ist es auch der Kaffee, der eigentlich nicht so billig sein kann. Und manchmal sind es die Fernsehbilder aus einem Sweatshop in Indien, in dem Kinder als Arbeitskräfte ausgebeutet werden.

Bei Lovis Willenberg hat das Interesse für nachhaltige Produkte mit einem Paar der Ökoturnschuhe aus zu 99 Prozent recyceltem Material begonnen, über die er vor einigen Jahren etwas im Greenpeace Magazin gelesen hatte. Als er sich die Schuhe kaufen wollte, merkte er, wie schwer sie zu bekommen waren. Und er hatte ein Aha-Erlebnis: Ökomode war gar nicht so unsexy, wie er angenommen hatte.

Gemeinsam für den nachhaltigen Konsum

„Ich habe dann beschlossen, dass ich diese Erkenntnis gern mit anderen Leuten teilen möchte“, so Willenberg. Ab sofort verkaufte er in seinen beiden Berliner Plattenläden auch T-Shirts aus Bio-Baumwolle. Dabei ging es ihm weniger um das Kaufmännische, sondern vielmehr um das politische Statement: Es ist möglich, ein ökokorrektes Shirt für 25 Euro zu kaufen! Doch das allein war ihm noch nicht genug. Um eine Infrastruktur zwischen den Leuten, die alternative Produkte nachfragen, und den Unternehmern, die sie haben, aufzubauen, entwickelte er 2010 die Idee für den Heldenmarkt: Viele kleine Anbieter tun sich zusammen, stellen ihr Angebot vor und werden gemeinsam ganz anders wahrgenommen als allein.

Das Ergebnis ist eine Messe, auf der sich Verbraucherinnen und Verbraucher über Ökomode, Bio-Lebensmittel, Ökostrom, grüne Geldanlage, nachhaltiges Reisen und vieles andere mehr informieren können. So ziemlich alle Lebensbereiche sind auf dem Heldenmarkt zu finden, nur bei elektronischen Geräten gibt es nach wie vor so gut wie keine nachhaltigen Alternativen. Handys, Computer und Co. seien auch heute noch weit davon entfernt, ökologisch oder sozialverträglich hergestellt zu werden; zu unübersichtlich sei die Vielzahl der verwendeten Materialien und Komponenten, die in einem einzigen Gerät steckten, erklärt Lovis Willenberg.

2010 hat alles mit dem ersten Heldenmarkt in Berlin begonnen. Seit 2011 gibt es den Heldenmarkt auch in Stuttgart, nächstes Jahr kommen München und Bochum dazu. Mit dabei als Premiumpartner: die Triodos Bank. Weitere Märkte in anderen deutschen Städten sind laut Lovis Willenberg in der Planung. Neuestes Projekt von Willenberg und seinem Team ist Grüne Karriere, eine Job- und Bildungsmesse für den beruflichen Einstieg in den nachhaltigen Bereich.

„Ich bin ein Botschaftstyp“

Willenberg glaubt an die Einflussmöglichkeiten des Konsumenten. „Für mich ist Geld ein gesellschaftliches Gestaltungsmittel, das viele noch nicht so richtig einsetzen.“ Damit könnten wir als Bürger zeigen, wohin es gehen solle. Natürlich seien politische Entscheidungen unverzichtbar. Aber jeder könne etwas gegen die Ohnmacht tun. „Man kann nicht einfach nur warten, dass die anderen etwas entscheiden und die Politik es regelt. Da fange bitte jeder bei sich selbst an! Sonst kann er es auch von jemand anderem nicht verlangen“, betont der Veranstalter des Heldenmarkts.

Wo fängt der Verzicht an?

Einfach weiter konsumieren wie bisher, nur eben ökosozial ─ wer sich ernsthaft auf eine nachhaltige Lebensweise einlässt, weiß, dass es damit nicht getan ist. Von Verzicht möchte der Heldenmarkt-Gründer hier aber nicht sprechen. Vielmehr gehe es darum, sich zu fragen, ob man denn im Januar wirklich Erdbeeren brauche oder ob das persönliche Glück am x-ten Paar Schuhe hänge. Aber Lovis Willenberg ist kein Dogmatiker. Und konventionelle Produkte kauft er auch, wenn es nicht anders geht. Viel wichtiger ist ihm, dass sich jeder die Folgen seines Handelns bewusst macht. Mit dem Heldenmarkt möchte Willenberg, wie er sagt, einen Samen säen. „Wir wollen, dass alle Spaß haben, und reichen den Leuten die Hand!“ sr

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar (Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln.)

über Facebook ...

... oder über dieses Formular.